Donnerstag, 20. Juli 2017

Von Baumperlen und Hexeneiern

~No tree, it is said, can grow to heaven unless its roots reach down to hell.~
C.G. Jung

Wie oben so unten, bedeutet dieser Satz, kein Licht ohne Dunkelheit. Und irgendwie musste ich daran denken, als ich vor einiger Zeit einen wundervollen neuen Platz entdeckt habe.


Dieses Jahr ist anscheinend für mich ein gutes Jahr für neue Entdeckungen. Schon oft bin ich an den beiden Bäumen vorbei gelaufen, von weitem sahen sie aus wie ein einzelner Riese. Aber da ich ja oftmals gerne querfeldein unterwegs bin, habe ich mich eines Tages genau dort wiedergefunden, zwischen zwei riesigen, alten Buchen.


Die beiden stehen so nah beieinander, dass man von weitem nicht sieht, dass es zwei sind. Ihre Form haben sie aneinander angepasst, ihre Blätterdächer gehen ineinander über. Zwischen ihnen ist ein hübscher schattiger Platz, voller knisternder Bucheckern. Wie ein Tor in eine andere Welt ist es, wenn man vor ihnen steht. Der Ort ist mittlerweile ein fester Bestandteil meiner Waldspaziergänge geworden. Dort kann man in Ruhe verweilen, niemand ist dort unterwegs. Ein Kraftort voller grüner Wurzeln unter einem dichten Dach. Wenn es regnet, wird man hier nicht nass. 
Es ist wie ein Wohnzimmer im Wald.


Jeder Ast hier könnte ein eigener kleiner Baum sein, so dick sind sie. Beim näheren Betrachten war ich auf kleine Ausbuchtungen an der Rinde aufmerksam geworden und habe mich gefreut, es handelt sich nämlich um Baumperlen. Diese kleinen Auswüchse findet man mit etwas Glück meist an Bäumen mit glatter Rinde, oftmals an Buchen. Aber auch an Eichen habe ich schon welche gefunden. Es handelt sich dabei um kleine Abkapselungen der Bäume, die beim Heilungsprozess entstehen, wenn die Rinde verletzt war. Es heißt, dass die kleinen Knollen voller Heilkraft des Baumes stecken und Glück bringen. Schon die Druiden früher sollen ihnen große Aufmerksamkeit geschenkt haben und sie als magische Glücksbringer bei sich getragen haben. Man nennt sie auch Hexeneier und sie gelten als Geschenk des Baumes. 


Ein Geschenk, wie jeder weiß, darf man sich natürlich nicht mit Gewalt nehmen. Eine Baumperle sollte man also nur mitnehmen, wenn der Baum sie hergibt. Wenn man sie mit Gewalt abhebelt oder abschneidet, verletzt man den Baum, und das soll ja nicht sein. Eine "fertige" Baumperle lässt sich ganz leicht abnehmen und sollte auch nur dann mitgenommen werden. 
Und dann kann man sie schälen und die wahre Form kommt zum Vorschein. Am besten schält man sie so schnell wie möglich, denn wenn die Rinde einmal getrocknet ist, wird es schwieriger.


Für mich sind solche kleinen Zauberdinge unheimlich wertvoll. Grade im Alltag, wenn man nicht dort ist, wo man gerne wäre, finde ich es unheimlich schön, soetwas bei mir zu tragen -eine kleine Verbindung zur Natur. Mit einem kleinen Bohrer (Multitool oder Dremel) kann man auch ganz leicht ein Loch in so eine Baumperle bohren, und sie als Kettenanhänger tragen. Und bei mir durfte natürlich ein wenig Brandmalerei nicht fehlen, daher zieren jetzt Runen unsere Baumperlenanhänger.


Auch die anderen Baumperlen habe ich mit Runen und Symbolen verziert. Aber dieses Bild ist schon ein wenig älter, die meisten der Stücke habe ich schon an liebe Menschen verschenkt, nur die Knolle mit der Spirale liegt noch hier auf unserem Schrank.


Aber ich bin mir ganz sicher, dass ich wieder welche finden werde, wenn es sein soll. Wenn man einmal ein Auge für die kleinen Glücksbringer entwickelt hat, fallen sie einem immer wieder auf. Und das ist ja auch das besondere an solchen Dingen: man kann sie nicht kaufen, sie brauchen viel Zeit, und man sieht sie nur, wenn man achtsam durchs Leben geht. 


Sonntag, 16. Juli 2017

Witch by Lisa Lister

Bei Instagram war ich vor einiger Zeit mal wieder auf etwas aufmerksam geworden. Ein Buch in einer wunderschönen magischen Aufmachung, mit Mondphasen an den Seiten und dem Wort "Witch" auf dem Deckel. Das Buch ist zur Zeit recht beliebt, und auch ich war neugierig und habe es mir bestellt. Ich bin ja immer schnell dabei, wenn ein Buchcover schon interessant aussieht, dabei kannte ich diese Autorin vorher noch gar nicht. Einige haben mich nach einem Bericht gefragt, daher dachte ich mir, ich schreibe hier einfach mal ein wenig über das Buch.


Das Buch gibt es nur auf englisch, aber das habe ich in Kauf genommen. Ich lese eigentlich nicht gerne Bücher auf englisch, da es mir schwerer fällt, mich einzudenken und am Ball zu bleiben. Aber es ging in diesem Fall ganz gut, muss ich sagen. Lisa schreibt sehr unkompliziert und offenherzig. "Frei Schnauze" würde ich sagen, wenn man mich nach dem Schreibstil fragen würde.


Zum Inhalt:
Erstmal mag man denken, dass es sich bei dem Buch um ein "typisches" Hexen/Zauberbuch handelt. mit einer Einführung in Hexenkunst und mit Ritualen und Zaubersprüchen. Wie man es eben so kennt :) Aber bei diesem Buch geht es überwiegend um eine andere Sache. Erstmal erfährt man etwas über Lisa, ihre Geschichte, ihre Herkunft und ihre Vorfahren. Sie stammt ab vom fahrenden Volk, wo Wahrsagerei und Magie ja auch zur Tradition gehören. Sie schreibt über ihre Mutter und ihre Großmutter, die ihr Können versteckten, aus Angst, dafür gemieden zu werden. Und das ist auch eigentlich der Kern des Buches. Frauen, die sich verstecken, aus Angst vor etwas. Das Buch wurde für Frauen geschrieben, wobei Lisa ausdrücklich betont, nichts gegen Männer zu haben, da für sie beide Seiten dazu gehören. Aber sie kämpft gegen die Unterdrückung von Frauen, dagegen, sich als Frau für alles entschuldigen zu müssen und zurückzuhalten. Lisa schreibt über die Jahre der Hexenverfolgung, als Frauen für ihr Wissen verfolgt, gefoltert und verbrannt wurden. Laut Lisa ist die Angst, die daraus hervorging, noch immer in uns Frauen verwurzelt. Angst, nicht gut genug zu sein, zu gut zu sein, zu tun was man will, oder zu sagen, was man denkt. Sie ruft dazu auf, sich seiner Kraft bewusst zu werden, dem Ruf zu folgen und sich wieder mit der eigenen inneren Natur zu verbinden und danach zu leben.
Hier geht es um Frauenpower, das Buch ist eine Kampfansage an das Patriarchat.


Es geht darum, die innere Wildnis wiederzufinden. Frau zu sein, seinen Körper zu verstehen und zu lieben, nach dem inneren Zyklus zu leben, ohne sich dafür verstecken oder schämen zu müssen, oder männliche Seiten annehmen zu müssen, um in der Gesellschaft zu bestehen. Lisa schreibt über die Missgunst und das Misstrauen, welches teilweise unter uns Frauen besteht, und dass wir uns gegenseitig helfen sollen, anstatt gegeneinander zu kämpfen. Sie nennt das "die Hexenwunde heilen", und geht davon aus, dass auch das noch ein tief verwurzeltes Misstrauen ist, welches daher rührt, dass sich Frauen zur Zeit der Hexenverfolgung oft gegenseitig ans Messer lieferten, um ihren eigenen Kopf zu retten. Ein großer Teil des Buchs dreht sich um diese Themen, wobei Lisa das Wort "Witch", also Hexe, nicht unbedingt in Verbindung mit Magie sieht, sondern mit der natürlichen weiblichen Kraft, die in uns steckt und die wir Frauen uns zurückerobern sollen.


Der zweite Teil des Buches dreht sich eher um die Magie. Wer sich mit solchen Dingen auseinandersetzt, kennt vieles davon schon. Man findet etwas über die Jahreskreisfeste und das Jahresrad, über verschiedene Kräuter, Steine, Zaubersprüche, Rituale und Mondphasen, wobei alles sehr persönlich beschrieben ist. Außerdem gibt es in dem Buch eine Erklärung der unterschiedlichen Hexen: Schamanen, Wicca, Kräuterhexen, usw., das kam allerdings schon ganz zu Anfang.


Meine Meinung:
Ein feministisches Hexenbuch, sehr cool und kraftvoll geschrieben.
Mir hat das Buch gut gefallen, es spricht viele interessante Themen an, bringt einen zwischenzeitlich zum Schmunzeln und vor allem zum Nachdenken. Ich finde es gut, dass Lisa dabei das Männliche nicht generell verteufelt, sondern als wichtigen Teil beschreibt, der natürlich dazugehört. Außerdem mag ich es, dass sie ihre Ansicht nicht unbedingt als die Richtige darstellt, sondern dazu ermuntert, alles zu hinterfragen, auch das Buch. Ich gehe davon aus, dass Lisa polarisiert, es steckt schon so ein kleiner Guru in ihr. Das Buch spricht mit seiner geheimnisvollen Aufmachung natürlich viele Käuferinnen an, aber das ist ja nicht schlecht, da ich die Botschaft des Buchs schon sehr wichtig finde. Wenn man sich selbst schon ein wenig mit solchen Themen auseinandersetzt, ist vieles aus dem Buch nicht neu. Ich fand es dennoch sehr interessant und habe den Kauf nicht bereut.


Kennt ihr das Buch auch, oder habt ihr davon gehört? 

Donnerstag, 29. Juni 2017

Schwarzes Loch

Lange her, dass es hier mal etwas genähtes gab... Meine Nähmaschine wäre schon verstaubt, hätte ich sie nicht hin und wieder für Kleinigkeiten gebraucht. Aber da wir grad mal wieder feinstes Regenwetter haben, habe ich mich ein wenig um mein Nähzimmerchen gekümmert. In letzter Zeit hat es mir eher zum Trocknen von Kräutern gedient, daher war der ganze Boden voller Zeitungen und Grünzeug. Jetzt ist alles trocken und hübsch in Gläsern verpackt, daher kann ich auch endlich mal wieder ein wenig Stoff verarbeiten. Ich habe nämlich keinen Zuschneidetisch, ich mach alles auf dem Fußboden. Und diesmal musste ein schwarzes dünnes Stöffchen mit durchsichtigem Muster dran glauben.


Ich befürchte, dass man nicht ganz so viel erkennen kann, schwarze Kleidung ist ja immer etwas schwierig zu fotografieren. 


Es ist ein luftiges Oberteil geworden, mal wieder kurz und kantig und oversized. Den Schnitt habe ich von einem gekauften Lieblingsshirt abgenommen und die Ärmel ein ganzes Stück verlängert. Ich mag es, wenn ich meine Hände verstecken kann :)


Ansonsten habe ich nicht viel Aufwand betrieben. Auf ordentliche Säume habe ich verzichtet, da tut es für mich auch ein einfaches Versäubern mit dem "Overlock"-Stich meiner Nähmaschine. Dieser Stoff ist sowieso sehr unkompliziert und franst nicht aus, daher reicht mir das. 

Hier ist übrigens mal ein Vorher-Bild von meinem Nähzimmerfußboden:


Der Weißdorn hat ziemlich viel Platz eingenommen, aber dafür habe ich jetzt einen ganzen Vorrat von meinem Liebligstee. Weißdorn ist gut fürs Herz, und auch für Herzensangelegenheiten. Das besondere daran ist, dass er ausgleichend wirkt, sowohl für Menschen mit hohem Blutdruck, als auch für die mit niedrigem Blutdruck...solche wie ich also. Sehr hohe Temperaturen sind daher auch nicht so gut für mich, und ich versuche mit dem Tee dagegen zu wirken. 
Aber im Moment regnets ja, da kann ich mich noch ein bisschen um den Stoff in meiner Truhe kümmern und nähe mir vielleicht bald nochmal ein Teilchen, bevor es so richtig mit dem Sommer losgeht. Ich wünsche euch schonmal ein schönes Wochenende ♥


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Mittwoch, 21. Juni 2017

Gänseblümchensalbe

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich... wie oft habe ich als Kind Kränze aus Gänseblümchen geflochten, oder die einzelnen kleinen Blütenblätter abgepflückt und dabei das Gänseblümchen als Liebesorakel benutzt. Im Garten fällt es regelmäßig dem Rasenmäher zum Opfer und wächst innerhalb kürzester Zeit wieder ganz tapfer nach. Dabei ist es eigentlich zu schade um die kleinen Blüten, denn in ihnen steckt so einiges an Kräuterkraft, und essbar sind sie auch.


Man kann sie als Tee trinken, um im Frühjahr wieder Kraft zu bekommen, sie helfen bei Erkältungen, lassen sich als Dekoration für den Salat verwenden, und eine Tinktur aus den Blüten wirkt reinigend und entzündungshemmend für die Haut. In Gänseblümchen stecken auch ätherische Öle, weswegen man sie zum Räuchern verwenden kann. 


Aber diesmal wollte ich mal etwas anderes ausprobieren. Ich benutze schon seit einigen Jahren ausschließlich Naturkosmetik und komme damit sehr gut klar. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich mir kein Erdöl ins Gesicht schmiere und dass für meine Cremes keine Versuche an Tieren gemacht wurden. Noch schöner finde ich es, meine Kosmetik selbst herzustellen. Badesalz mit selbstgesammelten Kräutern und selbstgemachte Deocreme gehören für mich dazu, aber diesmal wollte ich mich mal an Gänseblümchensalbe versuchen. Das Rezept ist ganz einfach, und man kann es natürlich auch mit anderen Kräutern verwenden. Gänseblümchensalbe wirkt wundheilend und hilft bei trockener Haut, außerdem soll sie bei Gliederschmerzen helfen.  Ich habe direkt mal ein bisschen mehr gemacht, damit ich etwas davon verschenken kann. Man braucht: 

500 ml gutes Öl (ich habe Sonnenblumenöl verwendet), vier bis fünf Hände Gänseblümchenblüten, 50 Gramm Bienenwachs, evtl. ätherisches Öl zum Beduften.

Die Gänseblümchen müssen dann erstmal drei bis vier Wochen in einem Schraubglas an einem sonnigen Ort ziehen. Das Glas wird jeden Tag einmal kurz geschüttelt, damit alles mit Öl bedeckt ist und nichts schimmeln kann. Danach wird das Öl von den Blümchen befreit und zusammen mit dem Bienenwachs langsam in einem Topf erhitzt. Wenn sich alles miteinander verbunden hat, kann man noch ein wenig ätherisches Öl hinzugeben, wenn man mag. Ich hatte hier noch Öl von der Zitronenmelisse, das fand ich ganz passend. Und nun kann man die Salbe auch schon mit einem Trichter in kleine Gläschen oder Tiegel füllen. 


Bevor man die Gläser zuschraubt, muss die Salbe vollständig abgekühlt sein, damit sich kein Kondenswasser bildet. Und fertig! 


Ich benutze die Salbe regelmäßig für Hände und Unterarme und bin sehr begeistert davon. Meine Salbe hat jetzt durch die Zitronenmelisse einen leicht zitronigen Geruch, schön sommerlich <3

Und heute ist es ja auch schon wieder soweit, die Sommersonnenwende, der Höhepunkt des Jahres. Ab jetzt wird es wieder ganz langsam dunkler. Aber erstmal ist Zeit, den Sommer zu genießen.
Einen wunderschönen Sonnenwendtag wünsche ich euch 🌞


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